Mobbing in der Schule: ein Überblick

Der Begriff „Mobbing“ oder „Mobben“ leitet sich vom englischen Verb „to mob“ ab und bedeutet so viel wie „schikanieren“, „anpöbeln“. „Tatorte“, an denen Einzelne schikaniert werden, sind zum Beispiel der Arbeitsplatz oder der Sportverein. Aber auch Schulen werden immer öfter zum Schauplatz von Mobbing-Attacken, ebenso wie soziale Netzwerke im Internet.

Dass Mobbing in der Schule längst ein weit verbreitetes Phänomen ist, haben mehrere wissenschaftliche Studien in den letzten Jahren bewiesen. In diesen Studien gaben über 50 % der Schüler aller Klassenstufen an, schon einmal Opfer von Mobbing in der Schule geworden zu sein. Rund 20 % berichteten darüber hinaus von sogenannten Cyber-Mobbing-Attacken. Während das unmittelbare Mobbing vor allem in den unteren Klassenstufen und damit auch schon in der Grundschule vorkommt, verlagert sich das Problem in den höheren Klassenstufen immer mehr ins Internet.

Mobbing in der Schule: Was sind die Ursachen?

Ob es beim Mobbing in der Schule bestimmte Opfer- bzw. Tätertypen gibt, ist bei Psychologen umstritten. Während die einen vor allem den zunehmenden Konkurrenzkampf unter den Schülern, der häufig bereits in der Grundschule beginnt, für das Mobbing in der Schule verantwortlich machen, gehen andere davon aus, dass es sehr wohl bestimmte Persönlichkeitsmerkmale für Täter und Opfer gibt. So scheinen unter anderem Kinder, die ängstlich oder schüchtern sind, an Übergewicht leiden, kleiner und schwächer sind als ihre Altersgenossen oder eine überbehütete Kindheit genossen haben, besonders gefährdet zu sein. Auch für ethnische Minderheiten ist das Risiko vergleichsweise groß, Opfer von Mobbing in der Schule zu werden.

Die Täter dagegen zeichnen sich nicht nur durch Impulsivität aus, sondern sind auch gewaltbereiter als ihre Altersgenossen. Darüber hinaus verfeinern Täter ihre Angriffsstrategien mit der Zeit – und das gilt auch bereits für Täter in der Grundschule. Etwa ab der dritten Klasse verfestigt sich dann das Rollenprofil. Das bedeutet oft: Wer einmal zum Täter geworden ist, wird es immer wieder, auch wenn sich die Tatmuster ändern. Denn ab dem achten Lebensjahr gehen die meisten „Mobber“ von physischen zu subtileren psychischen Angriffen über.

Mobbing in der Schule: Woran erkennt man, ob das Kind gemobbt wird?

Ob ein Kind in der Schule gemobbt wird, ist für Lehrer und Eltern nicht immer leicht zu erkennen. Der Grat zwischen normalen Reibereien und Mobbing ist mitunter sehr schmal. Hinzu kommt, dass die Mobbingopfer nicht selten schweigen – aus Scham oder auch aus Angst. Allerdings gibt es einige Anzeichen, die deutlich für Mobbing in der Schule sprechen. So ist unter anderem Wachsamkeit geboten, wenn Kinder sich plötzlich von Familien und Freunden zurückziehen, zunehmend ungern in die Schule gehen oder sich Stimmungsschwankungen und Ängste immer stärker bemerkbar machen. Als weiterer Hinweis auf Mobbing in der Schule kann es gewertet werden, wenn Kinder öfter Geld „verlieren“, mehr oder minder regelmäßig mit unerklärlichen Verletzungen nach Hause kommen, Albträume oder Essstörungen entwickeln oder ohne ersichtlichen Grund plötzlich anfangen zu stottern. All dies sind Alarmzeichen, die auf Mobbing hinweisen können und von Eltern und Lehrern ernst genommen werden sollten. Je früher das Mobbing entdeckt wird, desto eher können Eltern und Lehrer eingreifen

Mobbing in der Schule: So werden Ihre Kinder nicht zu Opfern

Damit es gar nicht erst so weit kommt, können Eltern und Kinder viel tun. Um Kinder möglichst effektiv vor Mobbing in der Schule zu schützen, ist es beispielsweise wichtig, dass Eltern sich für das schulische Umfeld des Kindes interessieren. Sie sollten die Schulfreunde kennenlernen oder mit ihrem Kind darüber sprechen, was auf dem Schulweg und in der Schule passiert. So merken Eltern sehr schnell, wenn etwas nicht stimmt. Außerdem wird so eine Vertrauensbasis geschaffen, die im Ernstfall unerlässlich wird. Daneben gibt es auch ganz konkrete Maßnahmen, die Kinder davor schützen können, zu Opfern zu werden. Studien haben gezeigt: Wer sich wehrt, bei dem verlieren die Täter oft schnell die Lust an weiteren Mobbingattacken. Zu den bewährtesten Maßnahmen gehört unter anderem, das Selbstbewusstsein der Kinder zu stärken. Wer selbstbewusst ist, der ist für viele Mobbing-Täter kein „lohnenswertes“ Ziel mehr. Dazu gehört auch, den Kindern klarzumachen, dass eine vermeintliche Schwäche, wie beispielsweise das Tragen einer Brille, in Wirklichkeit gar keine Schwäche ist.

Eine weitere gute Möglichkeit ist, mit Kindern schon früh das Verhalten in Konfliktsituationen zu üben. So können bereits Kindergartenkinder lernen, dass Schlagen keine Lösung ist und sich so mancher Streit am besten mit Argumenten beenden lässt. Darüber hinaus sollten Kinder schon früh lernen, dass sie sich nichts gefallen lassen müssen, sondern weglaufen oder Hilfe holen sollten, wenn es zu einer brenzligen Situation kommt. Das gilt beim Spielen mit den Freunden ebenso wie beim Mobbing in der Schule. Wer sich Hilfe holt, sei es bei Lehrern, Eltern oder Freunden, der wird deutlich seltener zur Zielscheibe von Mobbingattacken. Zudem kann es helfen, den Rädelsführer solcher Angriffe direkt anzusprechen. Die meisten Täter rechnen nicht damit, von ihrem potentiellen Opfer direkt angesprochen zu werden. Auch dann verlieren die Täter meist schnell die Lust am Mobbing. Mobbing in der Schule ist also kein Phänomen, dem Eltern und Kinder hilflos gegenüberstehen müssen. Wer seinem Kind ein gesundes Selbstbewusstsein mitgibt und eine Vertrauensbasis schafft, der kann dafür sorgen, dass Mobbing in der Schule für das eigene Kind gar nicht erst zum Problem wird.