Bewegungsspiele: Mit Spaß gegen Bewegungsmangel

Eltern wünschen sich nichts mehr, als dass ihre Kinder gesund sind. Hierzu gehört auch, dass sie über eine Reihe von motorischen Grundfertigkeiten verfügen, die schon sehr früh erlernt werden – beim fröhlichen Laufen und Herumtollen. Wird der Lernprozess gestört, können Entwicklungsverzögerungen oder Haltungsschäden auftreten. Um die körperliche Gesundheit zu fördern, eignen sich Bewegungsspiele.

Haltungsschäden bei Kindern

Studien über Kinder im Grundschulalter weisen bei einem Drittel der Untersuchten bereits leichte Haltungsschwächen nach. Laut Statistischem Bundesamt konnten bei 37 % der Grundschüler deutliche Fehlhaltungen sowie Koordinationsschwächen beobachtet werden. Beginnende Haltungsschäden wiesen 16 % auf. Die Ursachen für dieses Defizit bei jungen Menschen sind sehr vielfältig. Risikofaktoren für Haltungsschäden liegen vornehmlich in einer ungesunden Lebensweise. Während im Kindergartenalter noch jede Gelegenheit zu Bewegungsspielen genutzt wird, vermindert sich die körperliche Aktivität mit Eintritt in die Schule.

Außerdem ist die Belastung von Schülern sowohl durch hohe Leistungsanforderungen als auch durch schwere Schultaschen enorm. Folge des mentalen Drucks und einer einseitigen Belastung des Rückens durch zu schwere Tornister ist eine verspannte Muskulatur. Bewegungsspiele in den Pausen können die aufgetretenen Schwächen nicht ausgleichen. Nach der Schule nehmen neben Hausaufgaben bei vielen Kindern Computer und Fernsehen einen immer größeren Raum ein. Zeit, um den natürlichen Drang nach Bewegung auszuleben, besteht kaum noch. Die fehlende Entlastung verstärkt auftretende körperliche Probleme. Doch nicht nur körperliche Inaktivität und mangelnde Fitness belasten den Rücken. Einseitig belastende Sportarten können ebenso Schäden verursachen.

Bewegungsspiele: Anregungen und Beispiele

Eltern, die frühzeitig die motorischen Grundfertigkeiten ihrer Kinder trainieren, fördern deren Entwicklung. Die „Stärkung des Rückgrats“ hat nicht nur körperlich gesehen, sondern auch im übertragenen Sinne einen positiven Effekt. Durch die Förderung der gesundheitlichen Potentiale motivieren Sie Ihre Kinder, aufrecht durchs Leben zu gehen. In der Regel bedarf es keiner komplizierten Maßnahmen, um den Bewegungsdrang von Grundschülern zu fördern. Gemeinsame, sinnvolle Sportaktivitäten und Bewegungsspiele machen Spaß und stärken das „Wir-Gefühl“ einer Familie. Indem Eltern und Erzieher ein gemeinschaftliches Umfeld schaffen, in dem sich die Kinder positiv entwickeln können, verschaffen sie ihnen neue Erfahrungen und Lernmöglichkeiten.

Kinder haben einen natürlichen Bewegungsdrang, der für ihre emotionale und soziale Entwicklung wichtig ist. Spielerisches Entdecken der eigenen Fähigkeiten vermittelt neue Körpererfahrungen, die im Schulalltag und einer bewegungsarmen Freizeit nicht gemacht werden können. Bei Bewegungsspielen entdecken Kinder die Vielfalt ihrer motorischen Fähigkeiten. Die Erfahrung, wie der eigene Körper bei unterschiedlichen Verhaltensweisen reagiert, stärkt das körperliche Bewusstsein und das Selbstwertgefühl. Erste Anzeichen von körperlicher und geistiger Überlastung können Kinder erst dann erkennen, wenn Sie zuvor in gezielten Bewegungsspielen ihre Grenzen kennengelernt haben.

Hier ein paar Anregungen für Bewegungsspiele, die Sie mit Ihren Kindern ausprobieren können.

  • Im Kinderzimmer Verwandeln Sie das Zimmer Ihres Kindes in eine abenteuerliche Höhle, die selbst antriebsarme Kinder zu Bewegungsspielen reizt. Statten Sie den Raum mit einem Kletterseil und einer Sprossenwand aus. Hula-Hoop-Reifen, weiche Bälle und Seile laden zum Toben ein.
  • Bewegungsspiele vor der Haustür Hüpfspiele verbessern die Balance und stärken die Beinmuskulatur. Ballspiele wie Indiaca oder Federball fördern die Augen-Hand-Koordination und eignen sich besonders, um die Reaktion zu verbessern. Bei Schatzsuchen mit spannenden, lösbaren Aufgaben wird nebenbei die Kondition geschult.
  • Familientage Bewegungsspiele im Freien, an denen sich die gesamte Familie beteiligt, machen Kindern besonderen Spaß. Planen Sie gemeinsam einen Tag im Wald, im Schwimmbad oder im Park mit vielen kleinen Spielen. Spielideen für lustige und sinnvolle Bewegungsspiele gibt es in zahlreichen Büchern oder im Internet.

Bei diagnostizierten Haltungsschäden sollte man sich professionelle Hilfe holen. Physiotherapeuten stellen ein Programm mit auf die individuellen Beschwerden abgestimmten Übungen und Bewegungsspielen zusammen. Diese gezielten Angebote werden im Rahmen der Gesundheitserziehung von den Krankenkassen gefördert. Der Kinderarzt gibt gerne weitere Auskünfte und vermittelt für Ihr Kind geeignete Maßnahmen.

Tipp: Anspannung und Entspannung Bereits im Grundschulalter wächst die Anspannung der Kinder: der tägliche Schulbesuch mit langen Sitzphasen, ständige Konzentration, Hausaufgaben, schwere Tornister und wenig Zeit für Freizeit. Aktive Kinder mit einem gesunden Körper haben eine Körperwahrnehmung, die es ihnen erlaubt, auf Körpersignale angemessen zu reagieren. Überbelastungen werden erkannt und können umgehend abgestellt werden. Doch genauso wichtig wie Bewegung sind Ruhezeiten. Um einen Ausgleich zum Alltagsgeschehen zu erhalten, sollten Sie Ihr Kind ermutigen, Entspannungsphasen einzulegen. Ein gesundes Gleichgewicht von Anspannung und Entspannung trägt zum allgemeinen Wohlbefinden Ihres Kindes bei.

Sport zum Hobby machen

Allgemeine körperliche Fitness ist wichtig für die Entwicklung des Kindes. Grundschulkinder sollten sich mindestens zwei Stunden am Tag bewegen. Wecken Sie das Interesse an sportlicher Aktivität. Finden Sie in einem gemeinsamen Gespräch heraus, welche Sportarten Ihr Kind favorisiert. Ist es beispielsweise eher ein „Teamplayer“ oder ein „Einzelkämpfer“? Sollte das Training im Freien oder in einer Halle stattfinden? Möchte es an einem Actionsport teilnehmen oder bevorzugt Ihr Sohn oder Ihre Tochter ruhige Bewegungsspiele? Die angebotenen Sportarten sind so vielseitig, wie die Fähigkeiten und Vorlieben der Kinder. Bevor man sich für eine Sportart im Verein entscheidet, bieten Sportvereine die Möglichkeit, kostenlose Probetrainings zu absolvieren. Neben dem Vereinssport helfen Sie Ihrem Kind mit Bewegungsspielen in der Wohnung und im Freien, die Bewegungsfreude zu entdecken.

Überfordern Sie Ihr Kind nicht. Grundschüler, die noch nicht viel Erfahrung mit Bewegung haben, aber auch übergewichtige Kinder sollten langsam an leichte Bewegungsspiele herangeführt werden. Körperwahrnehmungsübungen, einfache Übungs- und Spielformen, die die Haltung und Bewegung schulen, stehen hier im Vordergrund. Wettkämpfe, bei denen untrainierte Kinder immer als Letzte im Ziel eintreffen, mindern das Selbstwertgefühl. Schlechte Erfahrungen bestätigen Kinder darin, keinen Sport treiben zu wollen. Ziel ist es, Kindern Lust auf Bewegung zu machen.