Wenn Vater und Kind gemeinsam einen Drachen steigen lassen.

Der Herbst ist da, die Blätter färben sich bunt und der Wind wird stärker. Das ist allerdings kein Grund, zu Hause zu bleiben. Ganz im Gegenteil: Jetzt sollte man erst recht raus in die Natur, beispielsweise um einen Drachen steigen zu lassen.

Die Tradition, Drachen steigen zu lassen, hat eine lange Geschichte. Das erste Mal wurden Drachen vor über 2.500 Jahren erwähnt – natürlich in China. Jüngste Funde in Indonesien weisen jedoch darauf hin, dass diese Kunst noch viel älter ist. Über europäische Kaufleute, die in China, Japan und Korea Handel betrieben, gelangten die Drachen im 16. Jahrhundert schließlich auch nach Europa. Schon im 18. Jahrhundert waren Drachen ein verbreitetes Kinderspielzeug. Benjamin Franklin nutzte einen Drachen, um dem Geheimnis der Blitze auf die Spur zu kommen.

Geeignete Drachen für Kinder

Als „Einsteigermodell“ für Kinder eignen sich am besten Einleinerdrachen und Lenkdrachen. Handwerklich interessierte und begabte Eltern können einen Drachen gemeinsam mit den Kindern auch selbst basteln und bemalen. Einfache Anleitungen gibt es beispielsweise im Internet.

Einleinerdrachen

Einleinerdrachen sind für Kinder am einfachsten zu handhaben. Sobald sie einmal in der Luft sind, müssen sie nicht mehr gelenkt werden und man kann sie einfach beim Steigen und Sinken beobachten. Außerdem sind sie relativ leicht zu halten. Daher sind diese Drachen auch schon für 5- bis 8-jährige geeignet. Es gibt sie in vielen Varianten und mit verschiedensten Motiven, mit klassischem Drachengesicht, als Comicfiguren oder Tiergestalten.

Lenkdrachen

Diese Art von Drachen verfügt normalerweise über zwei Leinen, mit denen er gesteuert werden kann. Mit ein bisschen Übung kann man den Drachen Kurven oder Loopings, Schrauben und andere Figuren fliegen lassen. Das Steuern eines Lenkdrachens ist deutlich anspruchsvoller als das eines einleinigen Exemplars. Außerdem ist bei stärkerem Wind bereits einiger Kraftaufwand nötig, um ihn zu halten. Daher eignen sich Lenkdrachen auch erst für Kinder ab acht Jahren. Um niemanden zu gefährden, sollten Sie immer anwesend sein, wenn Ihr Kind den Drachen steigen lässt und es gerade bei den ersten „Flugstunden“ beim Halten der Leinen unterstützen. Außerdem sollte bei Kindern im Grundschulalter die Leinenlänge des Drachens höchstens 40 bis 50 Meter betragen, während sie bei größeren Kindern und Erwachsenen durchaus auch doppelt so lang sein kann.

Den Drachen gemeinsam steigen lassen

Um einen Drachen steigen zu lassen, sollten Sie zunächst einen geeigneten Ort finden. Große freie Wiesen eignen sich am besten. Die nächsten Bäume sollten ein gutes Stück entfernt stehen, es sollten sich keine Strommasten, Hochspannungsleitungen, Autobahnen oder Bahnschienen in der unmittelbaren Nähe befinden. Zu Flughäfen muss ein Abstand von 3 Kilometern eingehalten werden. Am schwierigsten ist für den Anfang der Start – auch bei einschnürigen Drachen. Sobald sich der Drachen in der Luft befindet, wird es leichter. Die Steuerung eines Lenkdrachens ist allerdings auch nicht ganz einfach und muss erst einmal geübt werden. Zunächst sollte man lernen, den Drachen ruhig in der Luft zu halten, bevor man beginnt, erste kleine Kurven zu fliegen. Am einfachsten ist es, den Drachen zu zweit steigen zu lassen. Während der eine die Schnur bzw. die beiden Schnüre hält und darauf achtet, dass sie sich nicht verdrehen, nimmt der andere den Drachen und geht damit einige Schritte, bis sich die Leinen spannen. Dann hält er den Drachen so in den Wind, dass er getragen wird. Wenn der Drachen von selbst an der Leine zieht, lässt man ihn los.

An die Sicherheit denken

Neben Mindestabständen zu Strommasten, Straßen und Flughäfen sind auch noch ein paar weitere Sicherheitsmaßnahmen zu beachten: Sollte es bei aller Vorsicht geschehen, dass sich der Drachen in einer Hochspannungsleitung verfängt, beispielsweise, wenn die Leine gerissen ist, versuchen Sie auf keinen Fall, ihn selbst zu befreien. Damit würden Sie sich in Lebensgefahr bringen. Informieren Sie in einem solchen Fall den Störungsdienst des örtlichen Energieversorgers. Herbstzeit ist nicht nur Drachenzeit, sondern auch die Zeit der Stürme und Unwetter. Wenn Sie sehen, dass sich eine Schlechtwetterfront nähert, sollten Sie den Drachen sofort einholen. Bei Gewitter kann der Drachen mit seiner Schnur zu einem lebensgefährlichen Blitzableiter werden und auch der Aufenthalt auf einer weiten, freien Fläche ist gefährlich. Auch bei starkem Wind sollten Sie das Unternehmen abbrechen. Gerade Anfänger sollten Drachen nur bis ca. Windstärke 3 steigen lassen. Windstärke 3 bedeutet, dass die Kronen von dünnastigen Bäumen wie Birken leicht schaukeln. Wir wünschen Ihnen und Ihrem Kind in den ersten Herbsttagen mit Drachen viel Spaß!