Elternzeit für Väter: eine wertvolle Erfahrung für beide Elternteile

Sicherheit im winterlichen Straßenverkehr

Die früher meist als „Wickelvolontariat“ verhöhnte Elternzeit für Väter ist mittlerweile salonfähig geworden. Aktuell nutzen immer mehr Männer die Möglichkeit, in Elternzeit zu gehen. Sie nehmen eine berufliche Auszeit vom Job und betreuen den Nachwuchs. Bei jedem vierten Kind bezieht der Papa mittlerweile das Elterngeld, wobei sich 76 Prozent der Männer lediglich für zwei Monate aus dem Berufsleben verabschieden. Nur sechs Prozent nehmen ganze zwölf Monate Elternzeit. Das Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz (BEEG) wurde 2007 eingeführt. Erwerbstätige, die die Kinderbetreuung und Erziehung ihrer Kleinen übernehmen möchten, haben einen Rechtsanspruch auf Elternzeit bis zum vollendeten dritten Lebensjahr des Kindes. Berufstätige Paare können selbst entscheiden, wer die Elternzeit nimmt. Für die Dauer der Elternzeit werden Arbeitnehmer unentgeltlich vom Job freigestellt, wobei die Elternzeit nicht am Stück genommen werden muss. Auf Wunsch ist auch eine Teilzeittätigkeit von bis zu dreißig Wochenstunden möglich. Ab einer Unternehmensgröße von mehr als 15 Angestellten haben die Erwerbstätigen sogar Anspruch auf eine Teilzeitbeschäftigung. Allerdings nur dann, wenn aus unternehmerischer Sicht nichts dagegen spricht und der Arbeitnehmer länger als sechs Monate im Betrieb beschäftigt ist. Erwerbstätigen im Erziehungsurlaub darf nicht gekündigt werden. Nach Ablauf der Elternzeit kehren sie an ihren alten Arbeitsplatz zurück. Ist die alte Stelle besetzt, so muss der Arbeitgeber dem Angestellten einen vergleichbaren und gleich entlohnten Job zur Verfügung stellen. Die Elternzeit beginnt mit der Anmeldung in den ersten zwölf bis höchstens 14 Monaten nach der Geburt des Kindes. Der frühestmögliche Termin zur Antragstellung ist acht Wochen bevor die Elternzeit beginnen soll. Die Frist zur Anmeldung beträgt sechs Wochen, ist der Antritt der Elternzeit unmittelbar nach der Geburt des Babys beziehungsweise des Mutterschutzes geplant.

Erziehungsurlaub – Chance oder Risiko?

Seit Einführung des BEEG 2007 nehmen noch immer sehr wenige Väter die Elternzeit in Anspruch, obwohl der Erziehungsurlaub eine großartige Chance ist, sich aktiv in die Kindererziehung einzubringen. Einer der ausschlaggebenden Gründe dafür liegt laut dem Evaluationsbericht des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) von 2008 darin, dass eine verringerte Anzahl an Arbeitsstunden weniger Lohn bedeutet oder es schlicht und einfach aus betrieblichen Gründen nicht funktioniert. Da Männer in vielen Fällen noch immer besser entlohnt werden, hätte die Familie deutlich weniger Geld im Monat zum Leben, würde der Mann die Elternzeit nehmen. Den Schritt von einer Vollzeitanstellung zu einer Teilzeitstelle halten viele Männer außerdem in ihrer Firma für nicht realisierbar. Bei einer Befragung von Vätern befürchtete fast die Hälfte der Teilnehmer, dass sich die Elternzeit bei Männern negativ auf die Karriere auswirkt. Dies ist allerdings nicht erwiesen. Mittlerweile ist auch ein Umdenken in den Chefetagen der Firmen zu spüren. Eine Elternzeit für Männer macht langfristig zufriedener, was wiederum die Motivation und Leistungsfähigkeit des Mitarbeiters erhöht. Zusätzlich wird die Bindung zwischen Unternehmen und Beschäftigten gefestigt, was sich insbesondere in Krisensituationen auszahlt.

Es gibt allerdings noch andere gute Gründe, die für eine Elternzeit von Vätern sprechen. Papas im Erziehungsurlaub erleben die Entwicklung ihrer kleinen Familie viel bewusster. Außerdem können sie ihre Partnerin aktiv im stressigen Familienalltag unterstützen und ihr den Wiedereinstieg in den Job erleichtern. Darüber hinaus hilft es manchmal, einen Blick über den Tellerrand des Arbeitslebens zu werfen. Der Tag mit einem Kind erfordert ein Höchstmaß an Organisation und ein gutes Zeitmanagement. Der Papa muss regelmäßig auf unvorhergesehene Ereignisse reagieren, wobei Nerven wie Drahtseile vorteilhaft sind. Diese neu erworbenen Soft-Skills können sich später im Berufsleben bezahlt machen. Die Elternzeit des Vaters hat allerdings schon Einfluss auf die Berufslaufbahn. Je länger der Mitarbeiter im Erziehungsurlaub weilt, desto schwieriger fällt ihm womöglich der Berufseinstieg nach seiner Abwesenheit. Eine mehr als sechs Monate dauernde Elternzeit von Vätern und Müttern zieht meist Probleme nach sich. Das ist wahrscheinlich die Ursache dafür, dass 73 Prozent der Männer lediglich für zwei Monate die Betreuung und Erziehung des Nachwuchses übernehmen. Wieder andere haben die Befürchtung, dieser ungewohnten Herausforderung nicht gewachsen zu sein, weshalb sie eher auf das klassische Rollenmodell setzen.

Allerdings sollten Männer in einem Punkt aufmerksam sein: Väter, die beabsichtigen Erziehungsurlaub zu nehmen, können erst acht Wochen vor dem Beginn der Elternzeit einen entsprechenden Antrag beim Amt stellen. Die Absicht muss allerdings spätestens acht Wochen vor der geplanten Elternzeit beim Chef vorgebracht werden. Da sie das Kind nicht selber auf die Welt gebracht haben, greift die Mutterschutzregelung bei Männern in Elternzeit nicht. Werden die Fristen nicht eingehalten, kann der Arbeitgeber entsprechende Maßnahmen bis hin zur Kündigung ergreifen. Das heißt, dass Männern in Elternzeit nur ein einziger Tag bleibt, an dem sie tatsächlich vor einer Kündigung geschützt sind. Am besten stimmen sich frischgebackene Papis mit dem Personalrat ihres Arbeitgebers ab.

Der positive Effekt der Elternzeit auf die Partnerschaft

Die meisten Männer nehmen ihre Elternzeit gleich nach der Geburt des Kindes. Dadurch können sie ihre Partnerin gerade in der ersten Phase des neuen Familienlebens besonders unterstützen. Eine andere, sehr beliebte Variante ist die Elternzeit für den Vater kurz vor dem beruflichen Wiedereinstieg der Frau. Es hat sich gezeigt, dass Männer mit Elternzeit-Erfahrung viel größeren Respekt vor der Leistung der Mütter und Frauen in Sachen Kinderbetreuung, Haushalt & Co. haben. Sie packen auch nach Ablauf der Elternzeit tendenziell häufiger im Haushalt mit an.