Kinderzähne: Hinweise und Ratschläge zum Milchgebiss

Kinderzähne: Hinweise und Ratschläge zum Milchgebiss

Wenn die Nächte plötzlich unruhig werden und tagsüber viel gequengelt wird, dann bekommt das Baby seine ersten Zähnchen. Das geschieht in der Regel im Alter von sechs Monaten. Dabei sind die Zähne längst da, noch bevor das Kind das Licht der Welt erblickt. Die Anlagen für das Milchgebiss werden schon im Mutterleib bei dem 16 Millimeter großen Embryo gebildet. Es kann sogar vorkommen, dass sich bereits bei einem Neugeborenen ein Zähnchen den Weg durch Kiefer und Zahnfleisch gebahnt hat. Umgangssprachlich werden diese Kinderzähne als „Hexenzähnchen“ bezeichnet. Und mit diesen wurden beispielsweise Sonnenkönig Ludwig der XIV. oder die österreichische Kaiserin Sissi geboren.

Wann der erste Zahn genau durchbricht, ist von Kind zu Kind verschieden. Die Schneidezähne des Unterkiefers wachsen zuerst heraus. Danach brechen die Backenzähne durch, gefolgt von den Eckzähnen neben den Schneidezähnchen. Bis zum 30. Lebensmonat wächst das Milchgebiss auf insgesamt zwanzig Zähne an. Mit drei Jahren ist die sogenannte Verzahnung abgeschlossen. Dann treffen die jeweils gegenüberliegenden Zahnkronen richtig aufeinander. Was viele nicht wissen: Milchzähne haben wie Erwachsenenzähne Zahnwurzeln. Ein komplettes Milchgebiss bedeutet nicht, dass das Wachstum der Wurzeln beendet ist. Dieser Prozess dauert erneut ein bis zwei Jahre. Vor dem Zahnwechsel und dem Ausfallen der Milchzähnchen lösen sich die Zahnwurzeln auf. Daher glauben viele, dass Milchzähne keine Wurzeln haben.

So können Eltern ihren Kindern das Zahnen erleichtern

Das Zahnen verursacht bei vielen Kindern Schmerzen. Das Zahnfleisch des Kindes ist dick und geschwollen. Auch kleinere Fieberschübe, unangenehm riechender Durchfall oder angeschwollene, rote Wangen treten auf. Generell ist diese Symptomatik insbesondere bei den ersten Kinderzähnen zu beobachten. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Beschwerden später nicht auch vorkommen können. Das „Durchbrechen“ der Zähnchen tut dem einen Baby mehr, dem anderen weniger weh. In jedem Fall tritt vermehrter Speichelfluss auf. Einige Mütter binden ihren Kleinen ein Lätzchen um den Hals oder versuchen, die Brustregion mit Mullwindeln oder Taschentüchern trocken zu halten. Da Kleinkinder im Krabbelalter sehr mobil sind, sollten sich Eltern allerdings lieber einen großen Vorrat an Mini-Halstüchlein zulegen. Diese nehmen den Speichel auf, ohne dass die Gefahr besteht, dass das Kind beim Krabbeln darin hängen bleibt. Zahnende Kinder lieben es, auf harten Dingen herumzukauen. Es lindert die Schmerzen und unterstützt das Durchbrechen der Zähnchen. Deshalb mögen zahnende Babys gekühlte Karottenstückchen oder harte Brotkanten besonders gerne. Ein handlicher Beißring erfüllt seinen Zweck ebenso. Bei einem Soft-Ring-Modell sollten Eltern die Hinweise auf der Verpackung lesen. Der Einsatz der gesundheitsschädlichen Phtalate ist zwar europaweit verboten, dennoch sollte man ausschließen, dass bedenkliche Substanzen in dem weichen Kunststoff enthalten sind. Weiche, mit Flüssigkeit gefüllte Beißringe dürfen ausschließlich im Kühlschrank gekühlt werden. Bei einer Kühlung im Eisfach besteht Verletzungsgefahr, denn die Soft-Ring-Variante könnte zu kalt werden und die Mundschleimhaut des Babys schädigen.

Über viele Jahre galten Veilchenwurzeln als natürliche Zahnungshilfe. Ärzte und Apotheker äußern jedoch immer häufiger Bedenken wegen bakteriell verunreinigter Wurzelstückchen. Eltern, die dennoch nicht auf die Veilchenwurzel verzichten möchten, sollten sie unbedingt regelmäßig auskochen. In Apotheken und Drogeriemärkten sind einige Mittel zur lokalen Schmerzlinderung und homöopathische Präparate erhältlich. Zahnungssalben werden mit kreisenden Bewegungen und leichtem Druck in das Zahnfleisch einmassiert. Gegen eine gelegentliche Anwendung dieser Mittel ist nichts einzuwenden. Eine tägliche oder gar durchgehende Anwendung empfiehlt sich jedoch nicht. Bei Zahnungshilfen auf homöopathischer Basis sollten sich Eltern von einem Kinderarzt beraten lassen. Neben Soft-Beißring, Wurzel oder den Schmerz dämpfender Arznei wirkt eine Zahnfleischmassage von Mama oder Papa oft Wunder. Auch beim gemeinsamen Spielen oder bei Streicheleinheiten können Kinder das schmerzende Durchbrechen ihrer Zähne für einige Augenblicke vergessen.

Ab dem ersten Zahn gilt: Die richtige Pflege ist entscheidend

Im dritten Lebensjahr kommt das Milchgebiss der Kleinen richtig zum Einsatz. Diese Nutzungsphase hält bis zum Zahnwechsel an. Deshalb ist die richtige Pflege ab dem ersten Zähnchen wichtig. Das richtige Putzen der Kinderzähne ist im Babyalter schwierig. Am besten eignen sich zur Zahnpflege in dieser Zeit ein Wattestäbchen oder ein Tuch aus Mull und ein bisschen fluoridhaltige Kinderzahnpasta. Damit können Mama oder Papa die Zähne der Kinder mehrmals pro Tag sanft abreiben. Es gibt ebenfalls spezielle Babyzahnbürsten. Sie bestehen aus unbedenklichem Polypropylen und sehen aus wie ein Fingerhut mit zahnbürstenähnlichen Gumminoppen an der Fingerspitze. So gewöhnen sich die Kinder früh an das Gefühl, eine Zahnbürste im Mund zu haben. Mit zwei Jahren werden Kinderzähne mindestens einmal pro Tag gründlich mit einer fluoridhaltigen Zahnpasta gesäubert. Im Handel gibt es besondere Kinderzahnbürsten mit kindgerechtem Borstenkopf. Auch die elektrische Variante der Kinderzahnbürste eignet sich gut. Sie kompensiert die fehlende Zahnputzroutine des Kindes und weckt den Spieltrieb der Kleinen. Allerdings sollten alle Kinder den Umgang mit einer manuellen Handzahnbürste beherrschen.

Die KAI-Methode hat sich bei Kindern in der Praxis besonders bewährt. Das „K“ steht für das Hin- und Herführen des Zahnbürstenkopfes auf den K-auflächen des Milchgebisses. Das „A“ beschreibt die großen, kreisenden Putzbewegungen auf den A-ußenflächen der Milchzähne und das „I“ das gründliche Reinigen der Zahninnenflächen mit kleinen, kreisenden Bewegungen. Eltern sollten unbedingt kontrollieren, ob die Kinderzähne sauber sind und bei Bedarf nachputzen. Ist das Kind zwei Jahre alt, steht der erste Zahnarztbesuch an – und dieser ist in regelmäßigem Turnus zu wiederholen. Dadurch lernt das Kind, dass ein Zahnarztbesuch etwas Normales ist: Es gewöhnt sich an die Geräusche oder Gerüche in einer Zahnarztpraxis, baut seine Angst ab und bekommt Freude an der Zahnpflege.