Kinder und Regeln – ein schwieriges, aber wichtiges Thema

Vereinbarungen, die in einer Familie getroffen werden, erleichtern das Zusammenleben. Für ein harmonisches Miteinander ist es wichtig, dass sich alle an die Absprachen halten. Doch wie bringt man Kindern Regeln bei und welche Leitlinien sind angebracht? Das richtige Maß zu finden, ist eine Gratwanderung: Einerseits wollen Sie Ihr Kind mit Liebe erziehen, anderseits werden Kindern Regeln und Grenzen in ihrem weiteren Leben immer wieder begegnen. Die beiden Aussagen müssen sich nicht widersprechen, wenn Eltern die Chance der gemeinsamen Regelfindung erkennen. Vorausgesetzt, das Kind besitzt die Reife, um den Sinn von Regeln nachzuvollziehen. Bei näherer Betrachtung erweist sich der flexible Umgang mit Absprachen als eine Entlastung für die ganze Familie.

Mit Kindern gemeinsam Regeln aushandeln

Kinder akzeptieren Regel viel eher, wenn sie merken, dass ihre Interessen und Bedürfnisse respektiert werden. Ohne Dialog einseitig festgelegte Grenzen missachten oftmals das Handlungsmotiv Ihres Nachwuchses. Um den täglichen Umgang im Haushalt miteinander zu aller Zufriedenheit zu gestalten, empfiehlt es sich, bereits im Kindergartenalter Ihren Kinder Regeln nahezubringen. Dabei sollte Folgendes beachtet werden:

  • Geben Sie Ihren Kindern Regeln – aber nicht mehr als nötig.
  • Jeder im Haushalt sollte sich an die Regeln halten
  • Gerade bei kleinen Kindern empfiehlt es sich, ein eigenes „Familiengesetz“ aufzustellen. In Verbindung mit dem Hausnamen, z. B. „Müllers Familiengesetz“ schafft man etwas Einzigartiges mit geheimnisvollem Charakter, das verbindet. Lassen Sie alle Familienmitglieder vorschlagen, welche Regeln für Kinder und Erwachsene dort festgehalten werden. Das mag Ausziehen der Schuhe an der Wohnungstür, Wegräumen der Teller oder Aufräumen des Zimmers sein. Die Kleinen schlagen vielleicht vor, täglich eine Gute-Nacht-Geschichte nach dem Zähneputzen vorgelesen zu bekommen. Wenn Sie erklären, warum Sie die Regel als sinnvoll empfinden, halten sich Kinder eher an die Anordnung. Je mehr Sie Ihre Kinder selbst entscheiden oder mitentscheiden lassen, desto entspannter wird die Einhaltung der Regeln.

Es liegt im Interesse aller Beteiligten, ab und zu eine Ausnahme zuzulassen. In Situationen, in denen Sohn oder Tochter krank und übermüdet sind, sollte man manchmal ein Auge zudrücken. Die Lage ändert sich, wenn sich der Nachwuchs immer wieder absichtlich bestehenden Anordnungen widersetzt. Hier ist ein Gespräch über den Anlass des Regelbruchs vonnöten. Findet Ihr Kind die Regel möglicherweise veraltet? Zubettgehzeiten oder Mediennutzung sind abhängig von Alter und sollten regelmäßig angepasst werden. Oder ist Ihr Kind vielleicht selbstständiger geworden und empfindet eine übermäßige Kontrolle als mangelndes Vertrauen? Sie benötigen nach der Arbeit etwas Ruhe, doch ihr Nachwuchs bringt täglich Freunde nach Hause? Finden Sie gemeinsam einen Konsens: Anders als einseitig angeordnete Regeln für Kinder, bedenken ausgehandelte Kompromisse die Interessen eines jeden. Notieren Sie alle Möglichkeiten. In unserem Beispiel könnten Sie vorschlagen, dass Ihr Kind mögliche Besucher anmeldet. Der Zeitpunkt für ein allgemeines Treffen sollte nach einer Erholungspause für Sie festgelegt werden. Auch könnten sich die Freunde ab und zu bei jemand anderem treffen. Es gibt viele Lösungsmöglichkeiten, die beiden Parteien gerecht werden.

Wie halten sich Kinder an Regeln? Sie möchten gewappnet sein, falls Ihre Kinder Regeln immer wieder brechen, und damit ihre Grenzen austesten? Was ist die beste Vorgehensweise? Keinem ist durch ständiges Drohen geholfen. Strafen werden nichts bewirken, wenn die Einsicht fehlt. Erkennen jedoch alle den Sinn der ausgehandelten Regel, ist die Bereitschaft zur Mitarbeit groß. Mit Überzeugung und ein klein wenig Raffinesse können Eltern Kindern Regeln schmackhaft machen:

  • Stellen Sie den Reiz der Aufgabe heraus. Auf die Formulierung kommt es an: Manchmal haben Kinder keine Lust, die ein oder andere Regel zu befolgen. Eltern, welche die Erfüllung der Aufgabe als etwas Besonderes herausstellen und nicht mit Lob geizen, werden schnell Erfolge verzeichnen.
  • Was verboten ist, reizt besonders. Überlegen Sie laut, ob der Nachwuchs überhaupt schon fähig ist, eine bestimmte Aufgabe zu übernehmen. Junge Kinder wollen ihren Eltern beweisen, dass diese ihnen die Aufgabe zutrauen können.
  • Mit Spaß geht alles besser. Um Kindern Regeln schmackhaft zu machen, sollte man die Aufgaben zu einer spaßigen Sache werden lassen. Mit dem Roller zum Einkaufen fahren, ist bestimmt lustiger, als zu laufen. Auch Ordnung schaffen geht mit Musik und Aufräumspielchen garantiert schneller. Kleine Belohnungen, wie Vorlesen oder ein Spaziergang zum Spielplatz, nachdem die Arbeit getan ist, spornen zusätzlich an. Bereits bei Babys, die nicht gerne essen, hilft diese Methode. Mit kleinen Spielchen wie „Eins für Mama…“ lässt sich die Nahrungsaufnahme interessanter gestalten und der Teller ist im Nu leergegessen.
  • Stellen Sie den persönlichen Nutzen heraus. Wenn Sie den Vorteil der Regel ihrem Kind vermitteln, kann es einen persönlichen Bezug zum Geschehen aufbauen. Spielzeuge, die man aufgeräumt hat, findet man auch schneller wieder. Wird das schmutzige Lieblings-Shirt in den Waschkorb gesteckt, können die Eltern es schneller waschen.
  • Versetzen Sie sich in Ihr Kind. Wie wäre es, wenn Sie für eine Stunde die Rollen tauschen? In besonders schwierigen Situationen ist dieser Trick oft sehr hilfreich. Losgelöst von den eigenen Problemen, überdenken Eltern und Kinder Regeln. Jeder, der sich in den anderen hineinversetzt, beginnt die Position des anderen zu verstehen. Dieses Rollenspiel erfordert einige Übung, doch Familienmitglieder lernen, Handlungsmotive zu verstehen.

Wenn nichts wirkt: Logische Konsequenzen ziehen

Vor allem bei älteren Kindern kommen Eltern nicht ohne logische Konsequenzen aus. In einem Alter, in dem kleine Spielchen zur Einhaltung der Grenzen durchschaut werden, ist der Sinn einer Strafe enorm wichtig. Aber auch, wenn kleine Kinder Regeln nicht einhalten, müssen ihre Taten Folgen haben, die für die Nachkommen nachvollziehbar sind. Das ist der Fall, wenn diese mit der aufgestellten Regelung in Zusammenhang stehen. Beispiel: Trotz Regel zieht Ihr Kinder nicht wie vereinbart die Schuhe an der Haustür aus. Es ist nass, der gesamte Schmutz, der sich unter den Sohlen gefangen hat, wird im Flur verteilt. Als Folge sollte der Übeltäter sich einen Eimer und Wischlappen holen, und den Dreck beseitigen. Höchstwahrscheinlich wird Ihr Kind diese Regel nicht mehr überschreiten. Das allseits beliebte Kürzen des Taschengeldes oder Fernsehverbot hat nichts mit dem Vergehen zu tun und ist als Erziehungsmittel ungeeignet. Kinder werden Regeln akzeptieren, wenn die Strafe logisch und gerecht ist.