Wenn der Nachtschreck kommt

Es ist mitten in der Nacht und die Eltern hören einen Schrei. Im Kinderzimmer finden sie ein verängstigtes Kind vor: Der Nachtschreck war da. Jetzt ist es vor allem wichtig, gelassen zu bleiben.

In der Regel tritt diese oder eine ähnliche Situation ein bis drei Stunden nach dem Einschlafen ein. Der Schreck des Kindes äußert sich oft nur in einem leisen Wimmern oder Keuchen, in einigen Fällen beginnt das Kind jedoch auch laut zu schreien. Viele Kinder setzen oder stellen sich sogar im Bett auf. Oft werden die Umgebung und die Eltern nicht wahrgenommen. Die Angst des Kindes erinnert an Todesangst. Puls und Atemfrequenz sind beschleunigt und manchmal kommt es sogar zu Schweißausbrüchen, Gänsehaut oder zu Nasenbluten. In vielen Fällen schlagen und treten die Kinder auch um sich.

Das sagen die Mediziner

Schlafmediziner bewerten solche Schlafstörung in der Regel als harmlos. Der Fachterminus dafür lautet pavor nocturnus, die sogenannte „Nachtangst“. Das Phänomen des Nachtschrecks tritt meistens dann auf, wenn das Kind aus der Tiefschlaf- in die Leichtschlaf-Phase wechselt. Es befindet sich dann in einem Zustand, in dem es weder richtig wach ist noch richtig schläft. Auch wenn auf den ersten Blick Ähnlichkeiten bestehen, der Nachtschreck hat nichts mit einem Alptraum zu tun. An Alpträume können sich Kinder noch erinnern, die Erinnerung an den Nachtschreck ist am nächsten Morgen ausgelöscht. Das ist vor allem auch der Grund dafür, dass in vielen Fällen eher die Eltern den Schreck davontragen, nicht so sehr das Kind.

Was tun?

Beim Nachtschreck schlagen Beruhigungsversuche fehl. Auf Berührungen reagieren Kinder oft mit Schreien und nicht selten schlagen sie sogar die Hände der Eltern weg. Auch Schnuller, Trinkflasche oder Kuscheltier helfen nicht. In den meisten Fällen ist der Nachtschreck nach etwa fünf bis zwanzig Minuten vorbei. Danach schlafen die Kinder dann einfach weiter oder sie wachen kurz auf, um sofort wieder einzuschlafen. So schwer es fällt, am besten sind Eltern in der Regel damit beraten, einfach ruhig zu bleiben und das Kind nicht zu wecken. Auch das Licht sollte nach Möglichkeit aus gelassen werden. Da die Beruhigungsversuche durch Berührungen und persönliche Ansprache sowieso nicht als solche wahrgenommen werden, steigt die Gefahr, dass sie die Angst eher noch steigern. Das Beste, was man tun kann ist, bei dem Kind zu bleiben und es vor Verletzungen oder gar Stürzen zu schützen. Bei einigen Kindern kann der Nachtschreck sehr heftig ausfallen. In diesen Fällen besteht die Gefahr, dass sich das Kind am Bettgestell oder an der Wand stößt oder sich selbst verletzt. Bei öfter auftretenden starken Symptomen lohnt es daher, zusätzliche Polsterungen am Bett anzubringen.

Keine Sorgen machen

Machen Sie sich keine Sorgen, wenn Ihr Kind nachts vom Nachtschreck aufgesucht wird. Es trägt keine Schäden davon. Schätzungen besagen, dass zwischen fünf und fünfzehn Prozent aller Kinder zwischen zwei und sechs Jahren unter den Symptomen leiden, im Durchschnitt sind es mehr Jungen als Mädchen. In seltenen Fällen sind bereits Kinder unter einem Jahr davon betroffen. Sollte sich der nächtliche Schrecken jedoch häufen und sogar in mehreren Nächten hintereinander auftreten, ist es ratsam, den Kinderarzt darauf ansprechen.